Sexuelle Gewalt & Angriffe – Ein Kommentar zu Köln

Sexuelle Gewalt in Köln zur Silvesternach

  „Ich bin es leid.“ Die Ereignisse in Köln werfen erneut die Frage auf, wie man Frauen vor sexuelle Gewalt und Angriffen schützen kann. Aber was bitte hat das mit Asylpolitik und Schengen zu tun?“ Das ist die Einleitung eines Kommentar von Hilal Sezgin in Zeit-Online v. 06.01. Ein Kommentar dem wir vorbehaltlos auf ganzer Linie nur zustimmen können. Dennoch möchte ich einerseits auch endlich die Sachlichkeit in Form der amtlichen, polizeilichen Kriminalstatistik 2014 (national) bemühen und andererseits auf einen bis dato völlig vernachlässigten Aspekt in der öffentlichen Diskussion verweisen, der gesellschaftlich von eminenter Bedeutung ist, dem der Zivilcourage!  

Polizeiliche Kriminalstatistik

Wer sich die Kriminalstatistik anschaut, der muss feststellen, dass sexualisierte Gewalt kein Delikt ist, welches als Massenphänomen in der Statistik auftaucht. Natürlich ist zu berücksichtigen, dass es sich bei diesen Zahlen um die sog. Hellfeld-Zahlen handelt, also die Delikte geführt werden, die als solche zur Anzeige bei der Polizei kommen. Die Dunkelfeld-Zahlen, so vermuten Experten, können 3 – 4 mal so groß ausfallen. Dies läßt nur den Schluss zu, dass Sexualisierte Gewalt im Wesentlichen ein gesellschaftliches Thema zwar ist, was aber als zwischenmenschliche Interaktion im Raum des Dunkelfeldes verborgen bleibt. Dies gilt im Übrigen genau so für Häusliche Gewalt oder auf der personalen Ebene für den Missbrauch von Drogen und Alkohol. Als Randbemerkung sei noch gesagt, dass die Zahlen in denen Männer Opfer sexueller oder körperlicher Gewalt werden, genau vor diesem Dunkelhintergrund nahezu unbekannt sind in Deutschland. Die Gründe hierfür sind wohl mindestens genauso so schnell klar und nachvollziehbar, wie wenn das Opfer eben eine Frau ist (Scham, Scheu, Schande etc.). Wenn man also der sachlichen Nüchternheit der Statistik den Vorzug vor wilden Spekulationen gibt, dann kann man nur zu dem Schluss kommen, dass Köln eben nicht die plötzliche Spitze eines permanenten, grundsätzlichen Gewaltphänomens ist!

Zivilcourage

Was Köln allerdings wirklich zu einem Mahnmal für die Qualität der Gesellschaft werden läßt, in der wir leben, ist der o. g., andere Aspekt, der der Zivilcourage. Es ist kaum anzunehmen, dass lediglich eine kleine Anzahl, sich einzeln bewegender oder auf der Domplatte isoliert aufhaltender Frauen einer Meute (oder wahlweise Mob) sexualisierter Männer (bis zu 1.000!) gegenüberstand, OHNE dass sich weitere Passanten bzw. Mitfeiernde der Silvesternacht dort gleichfalls aufhielten. Es ist vielmehr anzunehmen, dass es eine beachtliche Anzahl solcher Passanten und Mitfeiernden gegeben hat. Was also Köln nun so bedenklich macht, ist nicht nur die Tatsache, dass sich eine größere Anzahl an Männern anscheinend gezielt zusammenfindet, um anderen Menschen Schaden welcher Art auch immer zuzufügen, sondern die bedauernswerte Feststellung, dass Zivilcourage bei den dortigen Passanten wohl nur ein Fremdword aus dem Duden ist. Was aber aber sagt diese mangelnde Courage in einer Zivilgesellschaft wie der unseren über Uns aus? Lt. Duden bedeutet Zivilcourage “Mut, den jemand beweist, indem er seine Meinung offen äußert und sie ohne Rücksicht auf eventuelle Folgen in der Öffentlichkeit, gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten o. Ä. vertritt.“ Zivilcourage ist in diesem Sinne also immer eine Meinungsäußerung, eine individuelle Wahrheit die gesagt werden darf und soll, auch gegen die Interessen eines vermeintlich Stärkeren. Der Antrieb für diese Meinungsäußerung ist wohl zumeist ein ebenso individuelles Gefühl der Ungerechtigkeit. Wenn in dieser Wahrnehmung der Ungerechtigkeit das Mitgefühl gegenüber einem Dritten überwiegt und sich eben nicht auf das eigene Wohl und Wehe reduziert, dann sprechen wir von der heutigen Zivilcourage. Zivilcourage im Sinne des Mitgefühls wird immer da notwendig, wo Schwächere verhöhnt, verspottet, drangsaliert oder gar angegriffen werden und sich selbst nicht ausreichend oder gar nicht mehr schützen und verteidigen können. Die Konflikte, die Zivilcourage erfordern, finden zumeist im öffentlichen, vermeintlich anonymisierten Raum statt. Hier braucht jede Zivilgesellschaft mutige Bürger, um Übergriffe dieser Art aus der Anonymität ans Licht zu bringen und um die zu schützen, die des Schutzes bedürftig sind. Kinder, Jugendliche, Frauen und Senioren. Von Anonymität kann im Fall der Kölner Domplatte wohl kaum geredet werden. Und welche Zeit drückt, zumindest in der westlichen Welt, mehr Mitgefühl aus als die gerade hinter uns liegende Weihnachtszeit? Gerade in dieser Zeit und der des Jahreswechsels geht es doch darum, ein Stück weit Inne zu halten, die Augen zu öffnen und einfach mal selbstlos dort oder dem zu helfen, wo oder wer Hilfe benötigt! Und schließlich geht es in der Zivilcourage selbst auch noch um einen weiteren, ganz wesentlichen Aspekt, nämlich um die Werte einer Gesellschaft. Wo kommen wir hin, wenn sich keiner mehr um das Leid eines anderen kümmert. Wie können wir auf andere Länder, auf andere Gesellschaften, auf andere Religionen zeigen, wenn wir selbst nicht mehr bereit sind, für die wichtigsten Werte unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft einzustehen. Auch und gerade für den Schwächeren.

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