Selbstbehauptung in Konflikten Teil II

Selbstbehauptung in Konflikten Teil II

Im Laufe unseres Berufslebens geraten wir immer wieder in Konfliktsituationen mit Kollegen, Vorgesetzen, Mitarbeitern oder Kunden. Nicht selten münden diese verbalen Auseinandersetzungen in aufreibenden Dauerfehden oder schmerzhaft empfundenen, persönlichen Niederlagen.

In Teil I ging es stark um die Frage, warum solche Konflikte entstehen und welche Rolle das limbische System spielt. 

In Selbstbehauptung in Konflikten Teil II geht es um die Auflösung und warum die Selbstbehauptung von einer klaren Haltung abhängt. Beleuchtet von Oliver Dreber, Experte für Kampf & Kommunikation.

Raum ist zeit

Doch es gibt einen Trick, um den Autopiloten zu unterbrechen und wieder mit seinem Selbst an´s Steuer zukommen. Dabei macht man sich den Umstand zunutze, dass jeder Konflikt Energie erzeugt, sozusagen Reibungsenergie zwischen den beiden Parteien. Kein Streit, keine Diskussion, kein Disput und auch kein Konflikt werden auf Entfernung ausgetragen. Die Kontrahenten stehen sich meist auf ein bis zwei Armeslängen Abstand gegenüber. Im Konflikt gibt dann für gewöhnlich ein Wort das andere – fight. Laufen stattdessen die Tränen, sind wir auf der Flucht und wenn wir wie festgenagelt auf der Stelle kleben, – freeze – bleibt uns die Antwort im Halse stecken. In jedem Fall wird es in Uns emotional sehr hitzig. Der Trick besteht nun in zwei Schritten darin, 1.) sich bewusst zu werden, dass man das Steuer an den Autopiloten übergeben hat und 2.) dass die Hitze nur verpuffen kann, wenn es hierzu mehr Raum gibt. Mehr Raum geben, ist dabei wörtlich zu verstehen. TRETEN SIE EINEN oder mehrere SCHRITTe ZURÜCK! Schaffen Sie Abstand zu der Person, von der Sie sich angegriffen fühlen. Die neue, größere Distanz senkt nicht nur augenblicklich das Energieniveau zwischen Ihnen, sondern ermöglicht zugleich ein physikalisches Paradigma. RAUM IST ZEIT. Wenn Sie einen simplen Schritt zurücktreten, treten Sie automatisch aus der Konfliktfalle heraus. Zudem gewinnen Sie Zeit. Zeit mit der nicht nur Ihr Selbstbewusstsein zurückkehrt, sondern auch Ihr Verstand. Genug Zeit und hoffentlich auch genug Verstand, um die Situation (Umwelt) neu zu bewerten und eine bewusste Entscheidung für eine angemessene Reaktion zu treffen. Probieren Sie es mal aus! Das limbische System für immer auf „Stand By“ zu setzen, erfordert ein lebenslanges Üben. Sich dagegen dessen in dem jeweiligen Moment gewahr zu werden, hat „nur“ etwas mit Achtsamkeit und der Pflege seines Selbst zu tun. 

Opfertypen laden ein

Was aber können sie tun, um erst gar nicht in solche (Konflikt-)Situationen zu geraten? Niemals das Haus zu verlassen, könnte eine Lösung sein, erscheint allerdings wenig lebhaft. Wer das Leben dagegen im sozialen Kontakt mit anderen angstfrei angehen will, sollte nicht zum Opfer werden. Aggressoren jedweder Couleur suchen Opfer, keine Gegner! Opfertypen hingegen, laden ein…

Die drei wesentlichen, visuellen Merkmale der sog. Opferhaltung sind ein gesenkter Blick, ein geneigtes Haupt und insgesamt eine nicht zentrierte, eingesackte Körperhaltung. Alle drei Merkmale transportieren in Abstufungen die Botschaft einer erwartbar geringen oder nicht vorhandenen Gegenwehr. Die Stimme, leise, hell, brüchig, bestätigt als Audiomerkmal diesen Eindruck. Wer also in seinem beruflichen Umfeld, und auch in allen anderen Situationen, nicht das Opfer der Attacken von Kollegen, Vorgesetzen oder auch Kunden werden will, sollte intensiv an diesen Merkmalen und damit an seiner Körperhaltung arbeiten.

Selbstbehauptung heisst Haltung annehmen

Wenn die Opferhaltung eine Einladung für Konfliktsuchende ist, dann bedeutet Selbstbehauptung im Umkehrschluss, eine solche Haltung anzunehmen, die das Gegenteil ausdrückt.

Verlassen Sie daher endgültig Ihre Opferrolle, die sich auf der körperlichen Ebene in Ihrer Körperhaltung manifestiert. Finden Sie hin zu einer Körperhaltung, die den wichtigsten Ausdruck für Sie selbst und andere liefert. Sie stehen zu sich!

Üben Sie sich wortwörtlich und tagtäglich in dieser Körperhaltung, in dem Sie sich selbst kontrollieren. Ihren Gang, Ihren Stand, Ihre Körperzentrierung, Ihre Haupthaltung, Ihren Blick, Ihre Mimik, Ihre Gestik und schließlich Ihre Stimme. Beobachten Sie sich selbst zu allen Gelegenheiten. Stellen Sie sich bewusst zuhause vor ihren Spiegel und fühlen Sie körperlich nach, wie sich diese Haltung der Selbstbehauptung anfühlt und wie sie aussieht.

Je mehr Sie sich darin üben, desto mehr werden Sie neben der körperlichen auch eine mentale Veränderung feststellen. Denn jede Körperhaltung bedingt auch eine mentale, innere Haltung und umgekehrt. Lernen Sie wieder, mehr in Ihrem Körper zu sein und auf Ihre Körperhaltung zu achten. In dieser Haltung werden Sie zwangsläufig ihrem Selbst begegnen und eröffnen sich so auch einen Weg, um die Eingangs gestellten Kernfragen zum Wesen Mensch beantworten zu können. Ihre Selbstbehauptung wird es Ihnen danken.

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